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Das Ende einer Ära (Oliver Akeret, Der Landbote 10.05.2013)

10.05.2013

Nach neun Jahren beim FC Phönix Seen wird Trainerfuchs Jürg Stücheli den Verein per Saisonende verlassen und sich eine neue Herausforderung suchen.

 

Ein Rückblick auf eine für beide Seiten enorm erfolgreiche Zeit.Jürg Stüchelis bisherige Trainerkarriere liest sich wie ein perfektes Bewerbungsschreiben für jeden Verein auf Trainersuche. Den FC Wülflingen führte Stücheli in den 90er-Jahren von der 4. In die 1. Liga, anschliessend gelang ihm bei seinem zweijährigen Engagement beim FC Uster ebenfalls ein Aufstieg sowie der Gewinn des FVRZ-Cups, ehe der heute 49-Jährige zur Saison 2004/05 beim FC Phönix Seen anheuerte. Auch in Seen ging die Erfolgsgeschichte weiter, in der dritten Saison gelang der Aufstieg in die 2. Liga, seit 2011 spielt Phönix sogar in der 2. Liga Interregional. Stücheli scheint ein Händchen zu haben, wenn es darum geht, Mannschaften weiterzubringen und in höheren Ligen zu etablieren.

 

Nun sucht er eine neue Herausforderung, die Mannschaft wurde zu Beginn der Woche über seinen Abgang am Saisonende informiert. „Der Entscheid ist jedoch nicht von heute auf morgen gefallen und hat auch überhaupt nichts mit der aktuellen Situation zu tun“, will Stücheli klarstellen. Bereits im Winter habe er sich erste Gedanken gemacht, welche letztlich zum Entscheid gereift sind, einen Schlussstrich zu ziehen. „Ich bin ein Typ, der sich ständig verbessern will, der klare Ziele und eine klare Vision braucht“, beschreibt sich der charismatische Coach. Genau das hat ihm bei Phönix zuletzt ein wenig gefehlt, denn dem Verein fehlte nach dem Aufstieg in die interregionale 2. Liga eine klare Vorwärtsstrategie. „Im ersten Jahr nach dem Aufstieg ist es klar, dass man sich zuerst zurechtfinden muss. Im zweiten Jahr sollte man dann aber einen weiteren Schritt nach vorne gehen“. Als Legitimation verweist Stücheli auf das extrem junge Team, das voller Potenzial stecke und sich trotz vielen A-Junioren in der Startelf seit knapp zwei Jahren auf diesem Niveau behauptet – Investitionen in eine solche Mannschaft wären auch Investitionen in die Zukunft.

 

Stücheli will sich jedoch davor hüten, nur auf die Erfolge der ersten Mannschaft einzugehen. Der gesamte FC Phönix Seen hat in den vergangenen Jahren eine enorme Entwicklung durchgemacht und hat mit einer zweiten Mannschaft in der 3. Liga sowie A-Junioren in der Coca-Cola-Junior-League die besten Voraussetzungen. „Phönix hat sich auch im Jugendbereich enorm entwickelt. Man muss immer das Gesamtpaket sehen, nicht nur die erste Mannschaft“, gibt sich Stücheli bescheiden und verweist auf die erfolgreiche Zusammenarbeit mit etlichen Trainern und Betreuern des Vereins.

 

Viel Positives

Die Frage nach Stüchelis Interesse an den Junioren stellt sich eigentlich gar nicht, schaut man sich das Durchschnittsalter seiner Stammelf an. „Die Mannschaft und der ganze Verein sind mir in den vergangenen Jahren natürlich enorm ans Herz gewachsen. Dementsprechend war es auch ein sehr schwerer Entscheid“, erklärt Stücheli. Erzählt der 49-Jährige über die vergangenen Jahre, merkt man schnell, dass bei ihm das Menschliche im Vordergrund steht. Deshalb weiss er auch jetzt schon: „Zurückkommen ist für mich immer ein Thema, denn es gab viel zu viel Positives, um das Kapitel Phönix Seen bereits definitiv abzuschliessen!“.

 

Wo es den erfolgreichen Coach nach Saisonschluss hinziehen wird, ist bisher noch unklar. Es gebe „ein, zwei Anfragen“, definitiv entscheiden will sich Stücheli am Wochenende. Auch, damit er sich dann vollständig auf den Saisonendspurt mit Phönix konzentrieren kann. Wer sein Nachfolger an der Seitenlinie auf dem Sportplatz Steinacker wird, ist bisher noch unklar. Mauro Michelutti, Sportchef des Vereins, möchte bei der Trainersuche nichts überstürzen und zunächst die Arbeit Stüchelis würdigen. „Wir hatten eine aussergewöhnlich gute Zusammenarbeit mit ihm, es war die erfolgreichste Zeit des Vereins“, lobt Michelutti den Trainer. „Es ist schade, ist es vorbei, doch auf der anderen Seite ergeben sich so auch wieder neue Chancen“. Gesucht wird wieder ein Trainer für eine langfristige Zusammenarbeit, der den eingeschlagenen Weg weitergeht und den Fokus auf die Junioren legt. Vor allem aber soll der neue Coach zum Verein passen und sich mit ihm identifizieren. Dass es aber wieder zu einer Ära wie bei Jürg Stücheli kommt, wagt Michelutti zu bezweifeln.


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